3. Tag Dienstag

An unserem dritten Tag wurden wir gleich von zwei kleinen Affen begrüsst, die, im Gegensatz zum mir, schon um 7:15 Uhr munter durch den Schulhof liefen. Immer wenn ich ein Bild machen wollte, waren sie wieder hinter den Blättern verschwunden, deswegen gibt es nur dieses Bild…

 

Danach gings weiter mit Portugiesischinterricht. Jeden Tag dieser Woche werden wir einenhalb Stunden Grundkenntnisse der Sprache lernen. Wenn uns jemand jetzt langsam und deutlich nach unserem Namen fragt, können wir antworten…

 

 

Hier sind wir im Büro der Jústiça Global, eine Nichtregierungsorganisation, die sich für Menschenrechte einsetzt. Sie haben uns an verschiedenen Projekten gezeigt wie sie helfen, aber vor allem auf die Missstände aufmerksam machen. Dann erfuhren wir mehr über die Menschenrechtsverletzungen im Vorfeld der Olympiade. Sie meinten, nicht die Spiele an sich seien das Problem, sondern dass sie als Ausrede und Entschuldigung für viele Projekte der Stadt verwendet werden. Ein Beispiel war ein Golfplatz, der auf einem geschützten Teil eines Waldes gebaut wurde. So wurde der Schutz umgangen und in Zukunft können dort Häuser gebaut werden.

 

Diese Karte zeigt die Umsiedlung der Favelas, die für die Olympischen durchgeführt wurden. Die Favelas wurden aus den reicheren Gegenden entfernt, weil dort olympische, Sportstätten oder anderes gebaut werden sollten oder sie das Stadtbild störten. Den Bewohnern wurde Geld angeboten, und obwohl es viel zu wenig war nahmen die Menschen es teilweise an, da sie befürchteten ihr Haus würde zerstört werden ohne Entschädigung dafür zu bekommen. Und die verbliebenen, Häuser wurden von den Abrissen der Nachbarhäuser stark beschädigt und mussten somit auch verlassen werden.

 

“Jogos da Exclusão”- Spiele der Ausgrenzung steht auf den Flyern und Plakaten der Jústiça Global. Aber die Idee der Spiele ist doch ein Zusammentreffen der Welt, etwas gemeinsam zu feiern das einen verbindet. Ja, es ist ein Zusammentreffen der Reichen, Spiele von den Reichen, die davon profitieren, für die Reichen, auf Kosten der Armen. Die Favelas wurden von der Militärpolizei besetzt, die Regierung bekämpft ihre eigenen Bewohner, die sie eigentich schützen sollte.

 

Vor dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland. Der Generalkonsul Deutschlands zu Rio de Janeiro empfing uns. Nach dem beide Schulen ihre bisherige Arbeit vorgestellt hatten erläutert er uns seine Sicht auf die olympischen Spiele. Er nannte immer positive und negative Aspekte ohne sich wirklich zu positionieren. Seine neutrale Haltung war ein grosser Gegensatz zu dem Treffen davor und allen Gegnern und Befürwortern mit denen wir bisher gesprochen haben.

 

 

Nächster Halt: Villa Autódromo. Wir kommen an und sehen erstmal nur Strassen und einen riesigen Parkplatz. Von den vielen Häusern die auf dem zerrissenen Plakat zu sehen sind nur noch 20 übrig. Wir treffen Sandra, eine der Bewohner die geblieben sind. Sie erzählt, dass über 600 Familien hier gelebt haben, bevor die Favela zerstört wurde. Die Stadt wollte sie schon lange entfernen und die Olympiade war die perfekte Entschuldigung viel Geld dafür zu verwenden. Sandra ist nicht gegangen. Sie hat gekämpft. Für ihr Haus und die Gemeinschaft ohne Kriminalität in der sie lebte. Aber im Laufe der Zeit wurde es immer mehr zu einem Kampf für das Volk und die Demokratie. Am Ende hatten sie es geschafft, sie durften bleiben, mussten aber in von der Stadt gebaute Häuser umziehen

 

 

Die Kapelle der Favela ist das einzige Original erhaltene Bauwerk der Favela

 

Nach dem langen und anstrengendem Tag hatten wir uns alle gaaaanz viel zu Essen wirklich verdient. Müde, satt und glücklich gings dann nach Hause und ins Bett um für Morgen fit zu sein.

 

(Mafalda Wismet)

Ein Gedanke zu “3. Tag Dienstag

  1. Hallo, einfach nur toll euer Rioblog. Man bekommt einen guten Einblick in eure Arbeit. Aber bloß schade, daß so eine arme und gleichzeitig wohlhabende Stadt wie Rio eine Olympiade ausrichtet. Das passt meiner Meinung nicht. Die armen Menschen werden einfach zurückgedrängt. Sie sollten eigentlich Schulen und bessere Wohnungen bekommen . Aber auch die Olympiastätten können wegen Geldmangel in der Zukunft nicht gut erhalten bleiben. Ganz anders in München, daß ich ja hautnah miterlebt habe. ok. Grüße an alle und an Daniel. B.und N. Stoschek

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